1994 Mercedes-Benz SL 60 AMG
- Einer von nur 633 gebauten SL 60 AMG
- 381 PS aus 8 Zylindern mit 6 Litern Hubraum
- Außergewöhnlicher Pflege- und Erhaltungszustand
- Lückenlose Besitzer- und Wartungshistorie
- Fast 25 Jahre in Frauenhand
- Originale 114.000 km
Schätzwert
Erzielter Preis € 69.000
Technische Details
Chassis
WDB1290671F105921
Papiere
Deutsche Zulassung
Deutscher Fahrzeugbrief von 1994
Originales Wartungsheft
Auktion
Auktion
CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg
Datum
18. Oktober 2025
Besichtigung
17. und 18. Oktober 2025
Die frühen 1990er-Jahre waren eine glorreiche Zeit für Mercedes-Benz. Die S-Klasse W140 rollte mit der Aura eines Tresors über die Boulevards, die E-Klasse W124 galt als Inbegriff der Unzerstörbarkeit, und der SL der Baureihe R129 war der automobile Traum schlechthin: Roadster, Cabriolet, Sportwagen, Luxusmobil – alles in einem. Doch während die Serienmodelle brav „300“ oder „500“ auf der Heckklappe trugen, schraubte man in Affalterbach bereits an etwas, das deutlich mehr versprach.
1993, noch bevor AMG offiziell Teil von Mercedes-Benz wurde, erschien der SL 60 AMG. Offiziell eine „Veredelung“, tatsächlich ein Statement. Unter der langen Haube arbeitete der M119, ein V8 von seltener Kultiviertheit, in Affalterbach auf 6,0 Liter Hubraum vergrößert. 381 PS standen im Datenblatt – und wer wusste, dass AMG gern tiefstapelte, ahnte, dass es in Wahrheit mehr waren.
Das Ergebnis war ein Sportwagen, der keiner sein wollte. Kein Spoiler, keine wuchtigen Kotflügelverbreiterungen, keine martialische Optik. Der SL 60 AMG blieb ein Gentleman, Understatement auf 18-Zöllern. Doch trat man aufs Gaspedal, verwandelte sich der kultivierte Cruiser in eine Lawine. In 5,4 Sekunden stürmte der fast zwei Tonnen schwere Roadster auf 100 km/h, die Spitze wurde elektronisch bei 250 km/h begrenzt – wer die Sperre überlistete, reiste locker jenseits der 280 km/h.
Die eigentliche Magie lag jedoch im Fahrgefühl. Das R129-Chassis, ohnehin eine der solidesten Konstruktionen jener Ära, vertrug die AMG-Kur problemlos. Die Viergang-Automatik schaltete mit souveräner Gelassenheit, die Federung bügelte alles glatt, während der Achtzylinder im Hintergrund sein tiefes, warmes Timbre spielte. Kein Brüllen, kein Kreischen – sondern das sonore Versprechen unbegrenzter Reserven.
Auch innen zeigte sich der SL 60 AMG als das, was er war: Luxus in Leder und Wurzelholz, Airbags ringsum, elektrisch verstellbare Sitze mit Memory, ein vollautomatisches Verdeck. Nur das kleine AMG-Emblem verriet, dass man hier nicht in einem normalen SL 500 saß, sondern im König der V8-SL.
Rar war er schon damals. Rund 633 Exemplare sollen entstanden sein, genaue Zahlen kennt kaum jemand – AMG arbeitete noch wie eine Manufaktur, mit viel Handarbeit, jeder Wagen ein wenig anders. Heute gilt der SL 60 AMG als Geheimtipp unter Sammlern: weniger protzig als die späteren SL 73 AMG, seltener als der SL 55, und mit einem Charme, der aus einer Zwischenzeit stammt – als AMG noch Tuner war, Mercedes noch konservativer Hersteller, und beide zusammen plötzlich Automobile schufen, die bis heute Legenden sind.
Dieser SL 60 AMG wurde am 4. August 1994 auf die August Blanke KG in Solingen zugelassen. Von 1998 bis 2002 befand er sich bei einer zweiten Besitzerin, anschließend bei einer dritten. Auch die nächsten beiden Haltereinträge 2006 und 2007 lauteten auf weibliche Eigentümerinnen – ungewöhnlich für eines der stärksten Cabriolets seiner Zeit, dem Über-SL aber sichtlich zuträglich.
Seit 2022 befindet sich der über dreißig Jahre alte AMG in der Sammlung des Einbringers und ist in erstaunlich gutem Zustand erhalten. Dass er bislang erst 114.000 Kilometer gelaufen ist, trägt dazu bei, erklärt seinen exzellenten Pflegezustand aber nicht allein. Dass auch das originale, ohne Lücken gestempelte Wartungsheft noch vorhanden ist, versteht sich in seinem Fall schon fast von selbst. Er blieb verschont von den Spuren, die Alltag, Alter und Unvernunft so oft hinterlassen. 633 Stück sind kein großer Haufen, in diesem Zustand ist dieser SL 60 AMG aber selbst darin die sprichwörtliche Stecknadel.
Wolfgang Humer, 0650 7262524
Reinhard Granner, 0699 17127272