1977 Reliant Scimitar GTE
- Der erste Serien-Shooting Brake
- Zweifelsohne eine britische Stilikone
- Als Neuwagen nach Österreich ausgeliefert
- Höchst selten in linksgelenkter Form
Schätzwert
Erzielter Preis € 11.500
Technische Details
Chassis
7D51/18802650
Motor
SC11878
Papiere
Österreichische Einzelgenehmigung von 1977
Auktion
Auktion
CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg
Datum
18. Oktober 2025
Besichtigung
17. und 18. Oktober 2025
Die Marke Reliant war lange für sparsame Dreiräder bekannt – automobile Pragmatik für die Nachkriegsjahre. Doch Mitte der 1960er wagte sich der Hersteller aus Tamworth in neue Gefilde: Mit dem Scimitar präsentierte man 1965 ein 2+2-sitziges Coupé, der ganz große Wurf gelang allerdings erst drei Jahre später. Mit dem Scimitar GTE stellte man 1968 einen Serien-Shooting Brake vor, der Sportwagen und Kombi miteinander verband. Federführend waren bei der Entwicklung Chefingenieur John Crosthwaite und Fiberglas-Spezialist Ken Wood. Das Konzept, das damals noch exotisch wirkte, begründete eine neue Fahrzeugklasse und ging damit in die Annalen ein.
Das Kürzel GTE ließ sich übersetzen mit „Gran Turismo Estate“ und brachte die Idee auf den Punkt: viel Platz für Gepäck, eine durchgehende Heckklappe und dennoch die Fahrleistungen eines Sportcoupés. Unter der langgestreckten Glasfaserkarosserie steckte Ford-Technik – insbesondere der 3,0-Liter-V6 Essex-Motor, der in ab 1975 gebauten SE6-Serie mit 135 PS aufwartete. Damit sprintete der Scimitar GTE in etwa 9 Sekunden auf 100 km/h und erreichte über 190 km/h Spitze.
Der Innenraum war auf Langstrecke ausgelegt: vier vollwertige Einzelsitze, umklappbare Rücklehnen und viel Licht dank der großen Glasflächen. In einer Zeit, in der Kombis vor allem Handwerkerfahrzeuge waren, bot der Scimitar eine völlig neue Perspektive – praktisch, aber mit mondänem Einschlag.
Berühmtheit erlangte er nicht zuletzt durch die britische Königsfamilie: Prinzessin Anne bekam einen GTE geschenkt, anlässlich ihres 20. Geburtstags und gleich als Weihnachtsgeschenk dazu. Sie fuhr gleich mehrere Exemplare über die Jahre und machte den Wagen zum inoffiziellen Hoflieferanten.
1977 gehörte der Scimitar GTE längst zu den prägenden Gesichtern auf britischen Straßen. Über 14.000 Stück entstanden bis 1986. Heute gilt er als einer der eigenständigsten Vertreter jener Ära: ein Shooting Brake, der seiner Zeit voraus war – praktisch, sportlich, britisch eigenwillig.
Dieser Scimitar GTE der SE6A-Serie ist nicht nur ein schräger Vogel wie alle Scimitars, sondern dazu noch ein höchst seltener obendrein. Schließlich hat er das Lenkrad auf der linken Seite und wurde im Juli 1977 von der Meidlinger Firma »Ing. Felber & Co.«, die davor mit Beiwagen bekannt geworden war, als Grauimport nach Österreich geholt. Das alte Foto in der Einzelgenehmigung zeigt bereits die heute noch verbauten Wolfrace-Felgen
Drei Tage vor Weihnachten 1977 erstmals zugelassen, waren bis 2010 alle seine Halter im Umland von Krems beheimatet. Zwischenzeitlich abgemeldet, kam er Jahre später zum aktuellen Besitzer in den Süden von Wien, der den gut erhaltenen Scimitar wieder flott machte und auf sich zuließ.
Hier wartet ein Auto für Individualisten, unverkennbar britisch in jeder Hinsicht, mit einer Ausnahme, die ihn zur Nadel im Heuhaufen macht: das Lenkrad auf der linken Seite.
Wolfgang Humer, 0650 7262524
Reinhard Granner, 0699 17127272