1971 Porsche 911 T 2.2
- Österreichische Auslieferung
- Lückenlos dokumentierte Historie
- 40 Jahre faszinierende Wartungshistorie
- In weitgehend unrestauriertem Zustand erhalten
- Absolute Ausnahmeerscheinung
- Matching Numbers
Schätzwert
Erzielter Preis € 77.050
Technische Details
Chassis
9111101096
Motor
6111845
Papiere
Österreichische Einzelgenehmigung
Originaler Pflegepass
Auktion
Auktion
CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg
Datum
18. Oktober 2025
Besichtigung
17. und 18. Oktober 2025
Ende der 1960er Jahre war der Porsche 911 schon eine feste Größe am Sportwagenmarkt – in Europa, genauso wie am großen US-Markt. Porsche hatte auf den Rennstrecken mit dem 917 gerade zum Großangriff geblasen, als man im Sommer 1968 eine erstmals tiefgreifend überarbeitete Version des 911 präsentierte. Der Radstand war um 11 Zentimeter gewachsen, die Motorisierung hingegen gleichgeblieben. Vorerst, denn in Zuffenhausen ruhte man sich jedoch nicht auf den Lorbeeren aus und präsentierte zum Modelljahr 1970 im Sommer 1969 eine Motorenpalette mit auf 84 mm vergrößerter Bohrung und etwas mehr Leistung.
Es gab den 911er wieder als T (wie Touring), E und S, mit 125, 155 und 160 Pferdestärken. In Europa übernahmen beim Touring weiterhin Vergaser die Gemischaufbereitung, in Übersee bekam auch das Einstiegsmodell eine mechanische Einspritzanlage. Auch innen wurde der 911 sichtbar überarbeitet und erschien nun deutlich moderner.
Zwei Jahre blieb der 2,2-Liter im Modellprogramm, ehe im Sommer 1971 mit dem 2,4-Liter die letzte Ausbaustufe des Ur-Modells folgte. 6.544 Coupés und 2.545 Targa entstanden vom 1970er Modelljahrgang, im Folgejahr hatte dann der Targa mit 3.476 Exemplaren deutlich die Nase vor den 2.517 gebauten Coupés.
Manche meinen, kein anderer Motor kreischt so schön laut wie dieses Modell. Zwei Jahre später stiegen zwar Hubraum und Leistung nochmals, doch sank Verdichtung und damit auch die Spritzigkeit.
Dieses hellgelbe Porsche 911 T 2,2 Liter Coupé wurde im Februar 1971 über die Porsche Niederlassung Wiener Neustadt an Christl Gross ausgeliefert. Gross, die später den Wiener Traktorenfabrikanten Warchalowski heiraten würde, ließ ihren neuen Porsche am 22. Februar an ihrem Wohnsitz in Wien-Währing zu.
Aus dem originalen Pflegepass geht hervor, dass seine Erstbesitzerin den 911er schon am 3. März 1971 bei einem Kilometerstand von 980 zum ersten Wartungs- und Schmierdienst brachte. Viereinhalb Monate später waren es bereits 9.668 Kilometer beim nächsten Besuch und im November bereits 16.400.
Am 23. Mai 1975 kaufte sein zweiter Besitzer den 911 T mit 49.900 Kilometern auf der Uhr um 110.000 Schilling bei Porsche als Gebrauchtwagen und gab dafür seinen alten 356 A von 1956 mit 10.000 Schilling in Zahlung. Vertraglich war vereinbart, dass Porsche den 356 nur dann zurücknehmen würde, wenn beim 911er innerhalb der ersten drei Monate keine Garantieleistungen fällig werden würden. Andere Zeiten, andere Sitten.
Der zweite Besitzer, ein Arzt, war ein Charakter von der ganz genauen Sorte. Er führte nicht nur den Pflegepass sorgfältig fort, sondern archivierte feinsäuberlich jede einzelne Rechnung, jeden Beleg, den es über die Jahre zum Auto gab. Mehr noch, er führte Buch über jede Ausfahrt. Zwei vollgeschriebene Fahrtenbücher geben heute genauen Einblick in den Werdegang des 911 T. Die letzte Ausfahrt ist im August 2022 vermerkt, danach verstarb sein zweiter Besitzer. Aus den Unterlagen lässt sich neben einer kompletten Motorüberholung vor 70.000 Kilometern, mehreren Erneuerungen der Bremsen eine mehr als regelmäßige Servicepflege herauslesen. Zuletzt wurde noch im vergangenen Sommer das Getriebe überholt, weil die Synchronringe des ersten und zweiten Gangs aufgegeben hatten.
Bei all den dokumentierten Arbeiten ist das Blechkleid und das Interieur des Wagens aber dennoch in weitgehend unrestauriertem Zustand erhalten. Da und dort wurde bereits nachlackiert, der Auftritt des 911er hat jenen Charakter, den nur original erhaltene Fahrzeuge mit Patina besitzen. Ins Bild passen dazu auch der Recaro-Sportsitz auf der Fahrerseite, die schwarz lackierten originalen Fuchs-Felgen und andere kleinere zeitgenössische Adaptionen, mit denen man seinerzeit gebrauchte Porsche modernisierte.
Hier präsentiert sich der vielleicht am besten dokumentierte Porsche 911 dieses Landes, der mit seiner Geschichte genauso fasziniert wie mit seinem herrlich authentischen Auftritt. Es bleibt zu hoffen, dass seine neuen Besitzer es ebenso genau nehmen mit diesem 911, denn derartige Zeitzeugen müssen ganz einfach erhalten bleiben.
Wolfgang Humer, 0650 7262524
Reinhard Granner, 0699 17127272