1966 Mercedes-Benz 230 SL
Aus der Hertz-Classics Sammlung
- Bis 1985 bei den ersten Besitzern
- Seit 2014 in der Hertz-Classics Sammlung
- Durchgehend gewartet und gepflegt
- Attraktive Farbkombination
Schätzwert
EUR 55.000 – 75.000
Technische Details
Chassis
113.042-12-017517
Motor
127.981-12-004928
Papiere
Österreichische Einzelgenehmigung (historisch)
Auktion
Auktion
CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg
Datum
18. Oktober 2025
Besichtigung
17. und 18. Oktober 2025
Ende der 1950er Jahre begann man sich in Stuttgart mit einem Problem zu befassen, für das es eigentlich keine Lösung gab. Es galt den Superlativ, das Überauto, den Mercedes aller Mercedes abzulösen, den 300 SL. Und als wäre das nicht Aufgabe genug, sollte auch für dessen kleinen Bruder, den 190 SL, ein Nachfolger her, und das in einer Gestalt.
Friedrich Geiger, seines Zeichens Leiter der Versuchsabteilung und selbst Autodidakt der Formensprache, holte sich zwei junge Zeichenkünstler, den Franzosen Paul Bracq und den Italiener Bruno Sacco, in seine Mannschaft und überantwortete den Jungspunden das Himmelfahrtskommando.
Die technische Basis lieferte die neue Heckflossen-Generation, deren Unterbau einfach um 30 cm gestutzt und deren Motor auf 2,3 Liter aufgebohrt und mittels Einspritzung auf 150 PS frisiert wurde. Ein gestrafftes, gleichsam sportliches wie komfortables Fahrwerk und fast fertig war der Alleskönner. Insassenschutz hieß die Fleißaufgabe, mit Bela Barenyi hatte man schließlich den Knautschzonen-Fetischisten an Bord.
Paul Bracq war federführend und nach mehreren Anläufen stand im März 1963 der 230 SL in seiner fertigen Hülle am Automobilsalon in Genf. Die war von klarer Linie, unaufgeregt und dennoch zeitlos elegant. Oder gerade deshalb. Das feste Coupédach vermochte hingegen etwas zu irritieren. Ging doch dessen Wölbung entgegen der bekannten Richtung.
Manch Schreiberling wollte darin eine Reminiszenz an fernöstliche Tempelarchitektur erkennen, tatsächlich war es der Steifigkeit geschuldet. Seinen Rufnamen trägt der SL dennoch bis heute: Pagode.
Dieser 230 SL wurde am 12. April 1966 erstmalig in Österreich zugelassen. Weil seinem erster Besitzer Alfred Sträßle die Papiere abhanden gekommen waren, wurde 1977 im Zuge der Ummeldung auf seine Frau eine Zweitschrift ausgestellt. 1985 wurde der SL dann von Kärnten nach Wien verkauft, wo er von 1987 bis 2003 bei einem langjährigen Besitzer blieb.
Seit 2014 ist der Teil der Hertz-Classics Sammlung und wurde in der letzten Dekade durchgehend gewartet und gepflegt. 2021 musste die Windschutzscheibe erneuert werden, ansonsten waren keinerlei größere Arbeiten nötig. Heute präsentiert sich uns ein 230 SL mit charmanter Patina, die zwar vielleicht nicht glänzt als käme sie gerade frisch von der Restaurierung, dafür sofort zum Losfahren einlädt – das, was er nun eine Dekade mit Bravour unter Beweis gestellt hat.
Wolfgang Humer, 0650 7262524
Reinhard Granner, 0699 17127272