1964 Ferrari 330 GT 2+2
- An den Besitzer der Atlanta Falcons ausgeliefert
- Seit über 15 Jahren beim aktuellen Besitzer in Österreich
- Von Fachmann Bernhard Gugrel restauriert
- Lückenlos dokumentierte Historie
- Matching Numbers
Schätzwert
Erzielter Preis € 195.500
Technische Details
Chassis
6427GT
Motor
6427 (numero interno 712)
Papiere
Österreichische Einzelgenehmigung
Auktion
Auktion
CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg
Datum
18. Oktober 2025
Besichtigung
17. und 18. Oktober 2025
Als Paul Frère im Sommer 1964 für die Zeitschrift auto motor und sport den neuen Ferrari 330 GT 2+2 testete, griff er immer wieder zu einem Wort: „erstaunlich“. Mit diesem Adjektiv charakterisierte er die Leichtgängigkeit des Wagens, die Elastizität des Motors, den hohen Fahrkomfort und selbst den Platz in der zweiten Reihe. Lediglich die fehlenden Ablagemöglichkeiten in der Mittelkonsole und der in seinen Augen zu klein geratene Kofferraum gaben Anlass zu leiser Kritik. Frères Urteil stand jedoch nicht allein. Auch international war die Resonanz einhellig positiv. Der englische Sporting Motorist schrieb bereits nach der Präsentation auf dem Brüsseler Autosalon im April 1964:
“It would be foolish to pass a final opinion on the future of the new Ferrari 330 GT in the world of high performance cars on the strength of a mere 200 km test. But in the course of a high-speed run on the Autostrada del Sole and on the hairpins which bring you up to the heights of the Abetone, the 330 GT showed an astonishing potential and a wealth of unexpected talents.”
Und weiter:
“During cornering, the power reserve allows you to balance the car nicely and to correct its slight tendency to understeer. Coming out of corners the combined action of the ZF limited-slip differential and the ample contact area of the tyres allows you to accelerate much earlier and with more gusto, and this without affecting the chosen line through the bend. Because of this, the 330 GT is blessed with exceptional speed on twisty roads and on coming out of corners it leaps forward like a rocket, leaving behind two thick black tyre marks.“
Der 330 GT 2+2 überzeugte die Tester nicht allein durch seine reine Leistung, sondern vor allem durch die Art, wie er sie vermittelte. Geschmeidig, leichtfüßig und erstaunlich komfortabel präsentierte er sich als Ferrari, der gleichermaßen für die lange Reise wie für die kurvenreiche Bergstraße geschaffen war. Kleine Schwächen wie der begrenzte Stauraum fielen angesichts dieser Qualitäten kaum ins Gewicht.
Gezeichnet wurde der 330 GT 2+2 von Tom Tjaarda bei Pininfarina. Seine Linienführung galt als außergewöhnlich elegant: fünf Zentimeter mehr Radstand und ein neu geformtes, abgerundetes Heck ließen den Wagen schlanker und ausgewogener erscheinen als seinen Vorgänger. Für Diskussionen sorgte allerdings die Gestaltung der Frontpartie mit den markanten Doppelscheinwerfern. Während Marken wie Lancia mit der Flaminia oder Bentley mit dem S3 diesen Weg bereits beschritten hatten, fremdelten viele Ferrari-Kunden damit. Bereits 1965 wich das Design einem konventionelleren Erscheinungsbild mit nur je einem Scheinwerfer pro Seite. Trotz dieser Kontroversen bleibt Tjaardas Entwurf bis heute eine der elegantesten Erscheinungen der Ferrari-Geschichte jener Zeit.
Im 330 GT 2+2 arbeitete der Tipo 209, ein 4,0-Liter-V12, der 300 PS leistete. Er stellte die letzte große Entwicklungsstufe der legendären Colombo-Motoren dar, deren Potenzial damit weitgehend ausgeschöpft war. Gegenüber seinem Vorgänger bot der Tipo 209 ein spürbares Plus an Leistung und Durchzugskraft. Mit ihm leitete Ferrari den Übergang in eine neue Ära ein: Die Colombo-V12 prägten zwar noch einige weitere Modelle, doch die Weichen für modernere Motorenkonzepte waren gestellt.
So wurde der Ferrari 330 GT 2+2 von der Fachwelt mit überraschender Begeisterung aufgenommen. Er verband Eleganz mit Alltagstauglichkeit, Komfort mit Sportlichkeit – ein Charakter, den Frère treffend als „erstaunlich“ bezeichnete. Heute gilt er nicht nur als stilvoller Grand Tourer, sondern auch als Meilenstein: ein Modell, das die klassische Colombo-Ära beschloss und den Weg für die nächste Generation von Ferrari-Zwölfzylindern bereitete.
Chassis 6427GT, ein 330 GT 2+2 der ersten Serie mit dem markanten Gesicht, wurde im Dezember 1964 fertiggestellt und nach dem Jahreswechsel an Burton Smith, dem damaligen Eigentümer der Atlanta Falcons, in den Bundestaat Georgia ausgeliefert. Der Wagen war ursprünglich Marrone (19378 M), einem dunklen Braunton, lackiert und mit beigem Leder (VM 3218) ausgestattet gewesen.
Von der Familie Smith ging der Wagen 1977 an Dr. James H. Fuller aus Fort Meyers, Florida, der den Ferrari in einem hellem Gelbton umlackieren ließ. Noch im selben Jahr versuchte er ihn über FAF Motorcars in Georgia zu verkaufen. Im Inserat war die Laufleistung mit erst 32.000 Meilen angegeben. Tatsächlich wechselte der 330 GT dann erst zehn Jahre später die Besitzer. Mitten im Goldrausch Ende der 1980er kauften John F. Kelly und Tim Stanford gemeinsam den Ferrari. Anfang der 1990er war dann die Goldgräberstimmung am Ferrari-Markt nahezu von einem auf den anderen Tag vorbei.
Als sich der Markt nach einem erneuten Dämpfer, ausgelöst durch die Finanzkrise, zu erholen begann, boten Kelly und Stanford den 330 GT 2009 um 50.000 Dollar zum Verkauf an. Randy Simon aus Beverly Hills, Kalifornien, kaufte den Wagen und über Tom Miller und dessen österreichischen Partner kam der Wagen 2010 zu seinem aktuellen Besitzer.
Der Ferrari trug immer noch besagtes hellgelbes Lackkleid und war in höchst originalem Zustand erhalten, hatte aber wahrlich schon bessere Tage gesehen. Deshalb vertraute sein neuer Besitzer den Wagen Bernhard Gugrel an, einem der hierzulande besten Männer im Fach italienischer Sportwagen. Die geplante behutsame Auffrischung wurde alsbald zur Komplettrestaurierung, über die am Ende sogar ein Buch verfasst wurde. Darin ist abgebildet, dass alles an diesem Ferrari, von der Karosserie bis zur Mechanik, mit größter Sorgfalt überholt und, wo nötig, erneuert wurde. Die Karosse wurde in wunderschönem celeste lackiert und dazu das Interieur in beige komplett erneuert. Drei Jahre später war das Meisterstück vollbracht.
Das Ergebnis, das zehn Jahre später vor uns steht, kann sich richtig sehen lassen und zeigt dank sorgsamen Umgangs noch keinerlei Gebrauchsspuren. Gerade erst 50.000 Meilen ist der 330 GT 2+2 seit 1965 gelaufen. Weil sich in einem Jahrzehnt gerne einmal Prioritäten verschieben, bietet sich hier die Gelegenheit auf einen außergewöhnlichen Alleskönner von einem Sportwagen, der seinerzeit schon zu den persönlichen Favoriten Enzo Ferraris zählte.
Wolfgang Humer, 0650 7262524
Reinhard Granner, 0699 17127272