Lot - 137

1957 Mercedes-Benz 190 SL

Schätzwert / Estimate

€ 90.000 – 120.000

Technische Details / Technical DETAILS

Fahrgestell / Chassis

121.042-75-01372

Motor / Engine

121.920-65-04036

Papiere / Documents

Deutsche historische Zulassung

Auktion / Auction

Ort / Location

CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg

Datum / Date

17. Oktober 2026

11:00 bis 13:00 und ab 16:00

Besichtigung / Viewing

16. und 17. Oktober 2026

Von Reinhard Bahr kompromisslos restauriert
Einer der besten 190-SL-Kenner weit und breit
Ganz außergewöhnliches Ergebnis
Wunderschöne Farbkombination

Die Idee zum 190 SL kam, wie so manche gute Mercedes-Idee jener Jahre, nicht aus Stuttgart. Sie kam von einem gebürtigen Wiener, der in New York saß und ziemlich genau wusste, was die Amerikaner kaufen wollten. Max Hoffman importierte europäische Automobile in die USA und drängte den Vorstand bei Mercedes-Benz beharrlich dazu, das – vorsichtig ausgedrückt – etwas konservative Modellprogramm ein wenig aufzufrischen. Schöne, schnelle Autos aus Europa ließen sich im Amerika der Nachkriegsjahre schließlich prächtig verkaufen, und Hoffman wollte davon gerne ein paar mit Stern im Kühlergrill haben.

Konkret dachte er an zwei Autos. Zum einen an eine Straßenversion des Rennwagens 300 SL, zum anderen an einen schicken offenen Zweisitzer für jene Kundschaft, die zwar ähnlich aussehen, aber weder Renntechnik noch deren Preis bezahlen wollte. Ein Boulevard-Sportwagen also, mit aufregender Hülle und profaner Technik darunter. Und tatsächlich standen im Februar 1954 auf der New Yorker Automesse zwei entsprechende Prototypen nebeneinander: der 300 SL und sein deutlich bescheidenerer kleiner Bruder, der 190 SL.

Letzterer war in erstaunlich kurzer Zeit entstanden. Innerhalb weniger Monate wurde er gezeichnet und entwickelt, wobei man sich vernünftigerweise aus dem vorhandenen Mercedes-Regal bediente. Als technische Grundlage dienten Komponenten aus den Baureihen W 120 und W 121. Der Vierzylindermotor war zwar eine Neuentwicklung, allerdings keineswegs exklusiv für den neuen Sportwagen gedacht. Wenig später sollte er auch in den Limousinen Dienst tun. Für den 190 SL wurde ihm allerdings etwas mehr Benehmen beigebracht. Zwei Solex-Doppelvergaser halfen dabei, aus 1,9 Litern Hubraum 105 PS herauszukitzeln. Das war anno dazumal allemal ausreichend, um das Gros der übrigen Verkehrsteilnehmer hinter sich zu lassen. Zum ernsthaften Sportwagen wurde der Mercedes dadurch allerdings noch lange nicht. In den Verkaufsprospekten sprach man deshalb klugerweise vom „Touren-Sportwagen“. Das klang flott, versprach aber nicht zu viel.

Optisch durfte sich der Kleine dagegen schamlos am 300 SL bedienen. Kühlergrill, Kotflügellinien und zahlreiche Details stellten die gewünschte Familienähnlichkeit her. Unter dem Blech endete die Verwandtschaft jedoch ziemlich abrupt. Einen aufwendigen Gitterrohrrahmen wie beim 300 SL suchte man vergebens. Stattdessen ruhte der 190 SL auf einer verkürzten Bodengruppe aus dem Limousinenprogramm. Das war weniger spektakulär, aber erheblich billiger herzustellen – und für die Fahrt vom Hotel zum Strand vermutlich auch vollkommen ausreichend.

Bei der gemeinsamen Präsentation in New York war der 300 SL bereits wesentlich weiter gediehen. Der 190 SL brauchte dagegen noch ein gutes Jahr Entwicklung, ehe aus dem hastig aufgebauten Prototyp ein serienreifes Automobil geworden war. Den endgültigen Entwurf präsentierte Mercedes im Frühjahr 1955 auf dem Genfer Automobilsalon, zwei Monate später begann in Sindelfingen die Produktion.

Ganz ohne Versuchung blieb man während der Entwicklung allerdings nicht. Einige Prototypen erhielten Sechszylindermotoren, womit der kleine SL seinem großen Bruder zumindest technisch etwas näher gerückt wäre. Eine Serienfertigung scheiterte letztlich an den erwarteten Produktionskosten und am Veto des Vorstands. Der 190 SL sollte eben der erreichbare SL bleiben. Zumindest erreichbar im Mercedes-Maßstab.

Angeboten wurde er schließlich in drei Auslieferungsvarianten: als Roadster mit Stoffverdeck, als Coupé mit Hardtop sowie als Coupé mit Hardtop und zusätzlichem Stoffverdeck. Selbst eine Sport-Version fand sich im Prospekt. Mit kleinerer Windschutzscheibe, fensterlosen Aluminiumtüren und ohne Stoßstangen hatte man ihr einige überflüssige Kilos abgewöhnt. Damit wollte Mercedes die Fahrleistungen verbessern und den 190 SL auch für Privatfahrer im Motorsport interessant machen. Ganze 17 Exemplare entstanden. Der Drang der Kundschaft, mit ihrem 190 SL am Wochenende Rennen zu fahren, hielt sich offenbar in Grenzen.

Beim normalen Serienmodell sah die Sache ganz anders aus. Max Hoffman sollte mit seiner Einschätzung recht behalten. Der 190 SL wurde, ebenso wie der 300 SL, zu einem Erfolg, den man in Stuttgart in dieser Größenordnung wohl kaum erwartet hatte. Besonders beliebt war er in Hoffmans neuer Heimat Amerika, wohin ein beträchtlicher Teil der Produktion ging und wo der Mercedes obendrein günstiger angeboten wurde als in Deutschland.

Bis 1963 entstanden fast 26.000 Exemplare. Dann ließ Mercedes beide SL-Linien gleichzeitig auslaufen: den 190 SL ebenso wie den mittlerweile als Roadster angebotenen 300 SL. Zwei höchst unterschiedliche Automobile, die einst gemeinsam in New York gestanden hatten, wurden durch ein einziges ersetzt. Der 230 SL musste fortan beides können.

Dieses 190 SL wurde wie die meisten seiner Artgenossen ursprünglich in die USA ausgeliefert. Er ging an eine Studebaker- und Packard-Vertretung nahe Los Angeles. Vor einigen Jahren holte Reinhard Bahr den 190 SL als gute Restaurierungsbasis zu sich nach Bayern. Bahr ist kein Unbekannter in Sachen 190 SL. Widmete er sich doch jahrzehntelang deren fachmännischer Restaurierung und erlangte in diesem Metier einen gar außergewöhnlich guten Ruf.

Warum dem so ist, dafür liefert dieser 190 SL ein eindrucksvolles Zeugnis ab. Restauriert in den vergangenen Jahren, besticht der Mercedes aus jedem Blickwinkel mit seiner ganz einmaligen Erscheinung. Die Qualität der Arbeit sucht schlichtweg ihresgleichen.

Bei der Restaurierung wurde nicht lange um den heißen Brei gearbeitet. Die Karosserie wurde vollständig zerlegt, entlackt und sandgestrahlt. Hauptboden, Kofferraumboden und Heckblech wurden erneuert, anschließend sämtliche Anbauteile sorgfältig eingepasst. Unterboden und Radhäuser erhielten einen dünnen Steinschlagschutz, ehe die Karosserie innen wie außen neu lackiert wurde. Auch beim Chrom beließ man es nicht bei halben Sachen: Die Teile wurden neu beschichtet oder, wo notwendig, ersetzt.

Ähnlich gründlich ging es im Innenraum weiter. Sitze, Verkleidungen und Verdeckkasten wurden mit hochwertigem Leder bezogen, dazu kamen Schlingenteppich sowie aufgearbeitete Holzelemente, Schalter und Bedienelemente. Kabelbaum und Instrumente wurden ebenfalls überholt. Hübsche Details wie hell-elfenbeinfarbene Bedienknöpfe und lederbezogene Lautsprecher zeigen, dass dabei nicht nur an die großen Dinge gedacht wurde.

Auch technisch blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Der Motor wurde vollständig zerlegt, Block und Zylinderkopf überarbeitet sowie Lager, Ventile und Ventilfedern erneuert. Das Getriebe wurde überprüft und neu abgedichtet, Vorder- und Hinterachse, Fahrwerk sowie die komplette Bremsanlage umfassend überholt. Nebelscheinwerfer, Radio und Weißwandreifen setzen schließlich die passenden zeitgenössischen Akzente. Das Ergebnis ist keine oberflächlich aufgehübschte Schönheit, sondern ein Klassiker, dessen Restaurierung dort weiterging, wo man sie von außen längst nicht mehr sehen kann.

 

Impeccably restored by Reinhard Bahr
One of the foremost 190 SL specialists
An exceptional restoration
Beautiful colour combination

The idea for the 190 SL, like so many good Mercedes ideas of the era, did not originate in Stuttgart. It came from a Vienna-born businessman sitting in New York who knew rather precisely what American customers wanted. Max Hoffman imported European automobiles into the United States and persistently urged the Mercedes-Benz board to freshen up what was, to put it mildly, a somewhat conservative model range. Beautiful, fast European cars sold extremely well in post-war America, and Hoffman wanted a few of them bearing the three-pointed star.

He had two particular cars in mind. One was a road-going version of the 300 SL racing car; the other was a stylish open two-seater for customers who wanted something with a similar appearance but had neither the appetite nor the budget for racing technology. A boulevard sports car, in other words, with an exciting exterior and rather more conventional engineering underneath. And indeed, in February 1954, two corresponding prototypes stood side by side at the New York Motor Show: the 300 SL and its considerably more modest little brother, the 190 SL.

The latter had been created in remarkably short order. Designed and developed within just a few months, it sensibly made use of components already available within the Mercedes parts catalogue. Its technical foundations came from the W 120 and W 121 saloon ranges. The four-cylinder engine was a new design, although by no means intended exclusively for the new sports car. It would soon find its way into the saloons as well. For the 190 SL, however, it was given a little more sporting character. Two Solex twin carburettors helped extract 105 hp from its 1.9-litre displacement. By the standards of the day, that was more than sufficient to leave most other traffic behind. It did not, however, turn the Mercedes into a serious sports car. Mercedes therefore wisely described it in its sales literature as a “Touring Sports Car”. It sounded suitably brisk without promising too much.

Visually, however, the little SL was allowed to borrow shamelessly from the 300 SL. The radiator grille, wing lines and numerous details established the desired family resemblance. Beneath the bodywork, the relationship ended rather abruptly. There was no sophisticated tubular spaceframe like that of the 300 SL. Instead, the 190 SL rested on a shortened floorpan derived from the saloon range. Less spectacular, certainly, but considerably cheaper to manufacture – and presumably quite sufficient for the journey from hotel to beach.

At their joint presentation in New York, the 300 SL was already much further advanced. The 190 SL required another year or so of development before the hastily assembled prototype had matured into a production-ready automobile. Mercedes presented the final design at the Geneva Motor Show in spring 1955, and production began at Sindelfingen two months later.

 

There were, however, a few temptations during development. Several prototypes were fitted with six-cylinder engines, which would have brought the smaller SL somewhat closer to its big brother technically. Series production ultimately failed to materialise because of the anticipated production costs and a veto from the board. The 190 SL was to remain the attainable SL – attainable, at least, by Mercedes standards.

It was eventually offered in three factory configurations: as a roadster with a soft top, as a coupé with a hardtop, and as a coupé with a hardtop plus an additional soft top. Even a Sport version appeared in the brochure. With a smaller windscreen, windowless aluminium doors and no bumpers, it had been relieved of a few unnecessary kilograms. Mercedes hoped this would improve performance and make the 190 SL attractive to private competitors in motorsport. Just 17 examples were built. Evidently, the enthusiasm of customers for spending their weekends racing a 190 SL was somewhat limited.

The standard production model was an entirely different story. Max Hoffman had judged the market correctly. Like the 300 SL, the 190 SL became a success on a scale that Stuttgart had probably not anticipated. It was particularly popular in Hoffman’s adopted homeland of America, where a substantial proportion of production was exported and where the Mercedes was offered at a lower price than in Germany.

Almost 26,000 examples were produced by 1963. Mercedes then discontinued both SL lines simultaneously: the 190 SL and the 300 SL, by then available as a roadster. Two very different automobiles that had once stood side by side in New York were replaced by a single model. The 230 SL would now have to fulfil both roles.

Like most of its counterparts, this 190 SL was originally delivered to the United States. It went to a Studebaker and Packard dealership near Los Angeles. Several years ago, Reinhard Bahr acquired the car and brought it to Bavaria as an excellent basis for restoration. Bahr is no stranger to the 190 SL. For decades, he has devoted himself to the professional restoration of these cars and has earned an exceptionally strong reputation in the field.

This 190 SL provides an impressive demonstration of why. Restored in recent years, the Mercedes is captivating from every angle with its distinctive appearance. The quality of the workmanship is quite simply exceptional.

There was no half-measure approach to the restoration. The body was completely dismantled, stripped and sandblasted. The main floor, boot floor and rear panel were renewed, after which all ancillary panels and components were carefully fitted. The underbody and wheel arches received a thin layer of stone-chip protection before the body was repainted inside and out. The same uncompromising approach was applied to the brightwork: components were either re-plated or replaced where necessary.

 

The interior received equally thorough treatment. The seats, trim panels and soft-top compartment were retrimmed in high-quality leather, complemented by loop-pile carpets and refurbished woodwork, switches and controls. The wiring harness and instruments were also overhauled. Details such as the light ivory-coloured control knobs and leather-covered loudspeakers demonstrate that attention was paid to even the smallest elements.

Mechanically, virtually nothing was left untouched. The engine was completely dismantled, with the block and cylinder head reconditioned and the bearings, valves and valve springs renewed. The gearbox was inspected and resealed, while the front and rear axles, suspension and complete braking system were comprehensively overhauled. Fog lamps, radio and whitewall tyres complete the period-correct presentation.

The result is not a superficially refurbished beauty, but a classic whose restoration continued well beyond the point where any of the work could still be seen from the outside.

Interesse? Fragen?

Wolfgang Humer, +43 650 7262524

Reinhard Granner, +43 699 17127272

Vielen Dank für Ihr Anbot!

Wir haben Ihr Anbot erhalten.