1953 Jaguar XK 120 Drophead Coupé
- Als Neuwagen von Fritz Quester nach Österreich geholt
- Eines von nur 1.767 gebauten Drophead Coupés
- Lückenlose, gut dokumentierte Historie
- Mehrmals umfassend restauriert
- Seltene Farbkombination
Schätzwert
Erzielter Preis € 66.700
Technische Details
Chassis
677449
Motor
W 8874-7
Papiere
Österreichische Einzelgenehmigung von 1953
Schweizer Fahrzeugscheine von 1986 und 1992 in Kopie
Deutscher Fahrzeugbrief von 2004
Jaguar Heritage Trust Zertifikat
Auktion
Auktion
CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg
Datum
18. Oktober 2025
Besichtigung
17. und 18. Oktober 2025
Als Jaguar 1948 den XK 120 auf der Earls Court Motor Show enthüllte, war es eine Sensation. 120 mph – fast 200 km/h – versprach der Name, und tatsächlich war er damals der schnellste Serienwagen der Welt. Angetrieben von einem 3,4-Liter-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, war er ebenso kraftvoll wie technisch fortschrittlich.
Zunächst gab es den XK 120 nur als Open Two-Seater mit Leichtbaukarosserie, bald folgte das geschlossene Fixed Head Coupé. 1953 schließlich kam eine dritte Variante hinzu: das Drophead Coupé. Es verband die elegante Linie des Coupés mit einem vollwertigen Faltverdeck, das dick gepolstert war und zusammen mit Kurbel-Seitenscheiben und edler Innenausstattung eine neue Dimension an Komfort brachte. Während der Open Two-Seater eher spartanisch für sportlich orientierte Kunden gedacht war, sprach das Drophead Coupé die Klientel an, die Eleganz, Geschwindigkeit und Alltagstauglichkeit vereint wissen wollte.
Technisch blieb alles beim Besten: der XK-Motor, je nach Kundenwunsch mit 162 bis 213 PS, ein stabiles Fahrwerk und Trommelbremsen an allen vier Rädern. Das Drophead Coupé war schwerer als der Roadster, dafür aber ein vielseitiger Grand Tourer – schnell auf der Autobahn, bequem auf langen Strecken.
Optisch zeichnete sich das Modell durch seine harmonische Linienführung aus: lange Motorhaube, fließende Kotflügel, gelungene Dachlinie. Mit geschlossenem Verdeck wirkte es fast wie ein elegantes Coupé, geöffnet entfaltet es die Leichtigkeit eines klassischen Cabriolets. Nur 1.767 Drophead Coupés des XK 120 entstanden 1953 und 1954, womit sie die seltenste Karosserievariante der Baureihe blieben.
Dieses XK 120 Drophead Coupé kam als Neuwagen nach Österreich. Fritz Quester, Baustofffabrikant und Vater von Rennfahrer Dieter Quester, holte sich seinen neuen Sportwagen von der Schweizer Jaguar-Vertretung Roth in die Steiermark. Am 13. Juli wurde das Drophead Coupé auf das Kennzeichen St-75.400 erstmals zugelassen. Die Farbkombination aus der Außenfarbe „Dove Grey“ in Verbindung mit einem Leder-Interieur in „Tan“ und einem Verdeck in der Farbe „Sand“ war seinerzeit schon höchst selten.
Quester verkaufte den Wagen 1959 nach Kärnten an den Faserplattenfabrikanten Adolf Funder. Der behielt den Jaguar bis 1962 und nach zwei weiteren Besitzern kam der XK 120 schließlich 1976 zu Dkfm. Josef Weinwurm, den Direktor der Leopoldsdorfer Bauernbrot Gesellschaft, nach Wien.
Im September 1985 verkaufte Weinwurm sein Drophead Coupé an Helmuth Lederer, den Generaldirektor des internationalen Eurotax-Verlages für 41.000 Schweizer Franken, die mittels Schecks bezahlt wurden. Vor der Übergabe des Wagens war eine Restaurierung abgeschlossen worden, deren Ergebnis ein Gutachter mit Zustandsklasse 2 bewertete. Lederer ließ den mittlerweile rot lackierten XK 120 in Wien auf Eurotax zu und stellte ihn im Herbst 1986 der Wiener Jaguar-Vertretung Tarbuk für eine Jaguar Sports Car Sonderschau am Opernring zur Verfügung. Einige Fotos von damals zeigen das Drophead Coupé inmitten anderen historischer Jaguar-Modelle. Anschließend trat der XK 120 die Reise in die Eidgenossenschaft an. Von 1989 bis 1991 ließ Helmuth Lederer das Drophead Coupé von der Emil Frey AG erneut komplett restaurieren, was mit insgesamt 45.485 Franken zu Buche schlug.
Von seinem nächsten Besitzer Daniel Ammann holte Dominik Schröder 2003 den Jaguar nach Deutschland. Der Kaufpreis war erneut 41.000 Franken – für einen mittlerweile wieder in die Jahre gekommenen XK 120.
Damit begann erneut eine Vollrestaurierung des Wagens, im Zuge derer der Jaguar abschließend wieder in seinem originalen Farbton lackierte wurde. Ein Ordner voll Rechnungen zeugt vom getätigten Aufwand und 20 Jahre später spricht das Ergebnis immer noch für sich. In Sachen Qualität wurden keine Kompromisse eingegangen und abgesehen vom Zylinderkopf finden sich noch alle originalen Aggregate im Auto. Ebenso außergewöhnlich wie sein heutiges Erscheinungsbild ist seine lückenlos dokumentierte Historie, die in Österreich ihren Ausgang nahm. Das setzt diesem raren Drophead Coupé letztlich die Krone auf.
Wolfgang Humer, 0650 7262524
Reinhard Granner, 0699 17127272