Lot 162

1928 Invicta 4½ Litre Tourer

  • Einer der ersten gebauten 4½ Litre Invicta
  • Der einzige Überlebende der ersten 4½-Litre
  • Lange Jahre im Besitz von Heidi Hetzer
  • Umfangreich dokumentierte Historie
  • Technisch vom Fachmann  überholt
  • Mille Miglia Teilnehmer 2004

Schätzwert

Erzielter Preis € 120.750

Technische Details

Chassis

LC135

Papiere

Deutsche historische Zulassung

Englisches Vehicle Registration Document von 1996

FIVA-Pass von 2004 (abgelaufen)

Auktion

Auktion

CLASSIC EXPO Salzburg
Messezentrum Salzburg
Am Messezentrum 1
5020 Salzburg

Datum

18. Oktober 2025

Besichtigung

17. und 18. Oktober 2025

Als 1925 in England die ersten Automobile mit dem Namen Invicta auf den Markt kamen, war die Automobilwelt im Umbruch. Der Krieg lag erst wenige Jahre zurück, wirtschaftliche Krisen und technische Innovationen bestimmten das Bild. Die Briten hatten ihre großen Marken – Rolls-Royce als Inbegriff von Noblesse, Bentley als sportlicher Herausforderer –, doch dazwischen klaffte eine Lücke: ein Auto, das gleichermaßen robust, leistungsfähig und zugleich für lange Reisen gemacht war. Es war der ehrgeizige Unternehmer Noel Macklin, der zusammen mit dem Finanzier Oliver Lyle, Erbe der Zucker-Dynastie, diese Lücke füllen wollte. Ihr Unternehmen Invicta, gegründet in Cobham, Surrey, sollte britische Wertarbeit und sportliche Leistungsfähigkeit vereinen.

Schon die frühen Modelle zeichneten sich durch kräftige Sechszylindermotoren und solide Fahrwerke aus, als SC (short chassis mit 2,84 Meter Radstand), als LC (long chassis mit 3 Metern). Auf zweieinhalb Liter Hubraum folgten 1926 drei Liter und 1928 schließlich viereinhalb. Mit ihm erschien der Wagen, der den Namen Invicta bis heute in die Geschichtsbücher schreiben sollte. Er war das Automobil, das Macklins Credo „sturdy, fast and reliable“ in Reinkultur verkörperte.

Herzstück war der gewaltige Sechszylindermotor von Meadows, einem renommierten Zulieferer aus Wolverhampton. Mit 4 ½ Litern Hubraum leistete er je nach Abstimmung 95 bis über 100 PS – Werte, die Ende der 1920er Jahre zur internationalen Spitze zählten. Der Motor war weniger auf Drehfreude, als vielmehr auf schiere Kraft ausgelegt: ein endlos elastischer Antrieb, der es ermöglichte, vom Schritttempo bis zu Höchstgeschwindigkeiten im höchsten Gang durchzufahren. Kein ständiges Schalten, kein Zerren, sondern Gelassenheit im Stil eines Gentlemans.

Das Fahrwerk war ebenso bemerkenswert. Mit seinem hoch bauenden Chassis – daher die Bezeichnung „High Chassis“– und robusten Starrachsen auf halbelliptischen Blattfedern wirkte der Invicta auf den ersten Blick eher schwerfällig. Doch die Konstruktion war sorgfältig ausbalanciert. Die Rahmenprofile waren massiv, aber geschickt ausgeführt, sodass eine erstaunliche Steifigkeit und Dauerhaltbarkeit erreicht wurde. Dies sollte sich in den kommenden Jahren in zahlreichen Zuverlässigkeitsfahrten und Rallyes eindrucksvoll beweisen.

Die Karosserien lieferte in der Regel die Werkstatt von Carbodies oder Vanden Plas, doch viele Chassis gingen auch an spezialisierte Karossiers. Der Tourer, die offene Variante, war die beliebteste Ausführung. Langgestreckt, mit weit öffnenden Türen und schlichtem, fast utilitaristischem Aufbau, war er weniger eine Stilikone als vielmehr ein Instrument – gebaut für das Reisen über tausende von Kilometern, bei jedem Wetter, auf jedem Untergrund.

Berühmt wurde der High Chassis durch seine Erfolge bei den Reliability Trials, den Zuverlässigkeitsfahrten der britischen Automobilclubs. 1929 und 1930 holten Invicta-Teams unter schwierigsten Bedingungen Medaille um Medaille, und kein Konkurrent konnte den Spagat zwischen Geschwindigkeit und Dauerhaltbarkeit in dieser Form leisten. Besonders die Scottish Reliability Trial von 1930 gilt bis heute als Sternstunde: ein Invicta fuhr dort nicht nur alle Etappen ohne Defekt, sondern holte zugleich Bestzeiten auf den Bergetappen. Damit stand der Name Invicta schlagartig für „Unbesiegbarkeit“, genau wie es das lateinische Wort bedeutete.

Doch so robust und erfolgreich der Wagen war, so teuer war er auch. Ein High Chassis Tourer kostete fast doppelt so viel wie ein vergleichbarer Bentley 3 Litre – ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Entsprechend blieben die Stückzahlen gering: Insgesamt entstanden von 1928 bis 1931 nur wenige hundert Exemplare. Gerade diese Exklusivität aber macht den Wagen heute zu einer gesuchten Rarität.

1930 stellte Invicta eine flacher bauende Variante vor, den „Low Chassis“, der es als „S-Type“ zu Berühmtheit bringen würde. Doch der High Chassis Invicta bleibt der Archetyp: das Auto, mit dem die Geschichte von Invicta ihren eigentlichen Durchbruch erlebte.

Laut einem historischen Invicta-Register war Chassis LC135 1928 einer der ersten Invictas mit dem neuen, großen 4,5-Liter Motor. Von dieser Serie aus 10 bis 15 Fahrzeugen dürfte LC135 neuersten Erkenntnissen zufolge der einzige Überlebende sein.

Nach dem zweiten Weltkrieg tauchte LC135 1970 wieder auf, als der Invicta als Restaurierungsobjekt an Sir Noel Hutton und Teddy Hutton verkauft wurde. Vater und Sohn brachten den mächtigen Invicta wieder zum Laufen und ließen ihn mit dem Kennzeichen 937VWL zu. Sie verkauften ihn aber weniger Jahre später wieder aufgrund einer Erkrankung des Vaters. Bis zur Jahrtausendwende blieb der Invicta bei mehreren Besitzern in Großbritannien, kam dann für ein Jahr nach Frankreich und anschließend nach Deutschland.

2001 erwarb die Berliner Szene-Größe Heidi Hetzer den Invicta und nahm mit ihm 2004 an der Mille Miglia teil. Bis dahin brauchte der Motor allerdings einiges an Arbeit, wovon ein Ordner voller Rechnungen zeugt. 2012 kauften die aktuellen Besitzer den mächtigen Invicta. Sie vertrauten den 4½-Liter einem absoluten Fachmann an, der sich noch einmal Motor und Getriebe annahm und sie nachhaltig in Ordnung brachte, wie sich auch zehn Jahre später noch zeigt. Der Invicta springt stets auf den ersten Knopfdruck an, fasziniert mit Laufruhe und Durchzug. Der Wagen bewegt sich für seine Größe mit erstaunlicher Leichtigkeit.

Heute, fast ein Jahrhundert später, fasziniert der High Chassis Tourer noch immer durch seine Kombination aus Kraft, Gelassenheit und historischer Bedeutung. Er verkörpert eine Epoche, in der Automobile nicht nur Transportmittel, sondern Charakterstudien waren – gebaut für Menschen, die ihre Reisen als Abenteuer verstanden. Und in diesem Sinne ist dieser Invicta High Chassis Tourer von 1928 nichts weniger als ein rollendes Manifest britischer Ingenieurskunst mit einem außergewöhnlichen Werdegang obendrein.

Interesse? Fragen?

Wolfgang Humer, 0650 7262524

Reinhard Granner, 0699 17127272

Vielen Dank für Ihr Anbot!

Ihr Kaufanbot wurde erfolgreich gesendet.
Sie werden in Kürze eine Bestätigungs-E-mail erhalten.